
v.l.n.r.: Dr. Eberhard Pfeuffer, Marion Buk-Kluger, Dr. Ludwig Fink, Cecelia Ribbeck (Ceci), Roland Wegner, Dr. Rosmarie Lautenbacher (Bild: Christiane Briem)
Mehr als 100 Gäste folgten am Freitagabend der Einladung der im Augsburger Stadtrat vertretenen V-Partei³ zum Neujahrsempfang im Augustanasaal. Marion Buk-Kluger moderierte die Veranstaltung, die musikalische Umrahmung übernahm „Ceci“ – Cecelia Ribbeck, frisch gekürte Roy-Preisträgerin. Inhaltlich spannte der Abend einen Bogen von kommunaler Haushalts- und Transparenzpolitik über ethische Wissenschaft bis hin zu Natur- und Klimaschutz.
Roland Wegner, seit 2020 für die V-Partei³ im Augsburger Stadtrat, eröffnete den Reigen der Redner. Er würdigte Augsburg als lebenswerte Stadt mit hoher kultureller und landschaftlicher Attraktivität, zog jedoch eine kritische Bilanz der vergangenen Jahre.
Mit Blick auf die Sanierung des Staatstheaters kritisierte Wegner die Kostensteigerung von ursprünglich 189 Millionen auf mittlerweile 417 Millionen Euro und den Vorgang der eigenmächtigen Kündigung des Architekten durch die Oberbürgermeisterin Weber. Die Mehrkosten fehlten an anderer Stelle – etwa bei Schulen, Sportanlagen oder anderen kulturellen Einrichtungen wie der Freilichtbühne.
Auch die hohe Gesamtverschuldung von rund 485 Millionen Euro sowie die Ausweitung politischer Strukturen (zusätzliches CSU-Referat) und überdimensionierte PR-Stellen für Selbstdarstellung der Stadtregierung stellte er infrage. Augsburg brauche eine klare Priorisierung der Pflichtaufgaben, mehr Transparenz und eine politische Kultur, die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.
Beim geplanten Neubau der Uniklinik mahnte Wegner eine saubere, rechtssichere und transparente Abwägung der Standortfrage an. Umwelt-, Natur- und Klimaschutz dürften nicht hinter monetären Interessen zurückstehen und vorsätzlich schlechter gewichtet werden. Er sprach sich klar für den Erhalt des Naturparks am Uni-Klinikum aus und verwies auf eine städtebaulich besser geeignete, alternative Baufläche östlich des bestehenden Gebäudes.
Zum Abschluss seiner Rede präsentierte Wegner, der als OB-Kandidat zur Augsburger Kommunalwahl antritt, noch einen besonderen Spartipp: „Von Weber zu Wegner muss man nur einen Buchstaben entfernen und zwei neue einsetzen. Das spart Geld beim Türschild. Und vielleicht – wenn wir es richtig machen – spart es dieser Stadt auch ein paar teure Fehlentscheidungen“
Ärztin gegen Tierversuche
Dr. Rosmarie Lautenbacher setzte den Schwerpunkt auf ethisch verantwortungsvolle Forschung. Augsburg solle Vorreiter für moderne, vollständig tierversuchsfreie Wissenschaft werden. Tierversuche seien aus wissenschaftlicher, ethischer und medizinischer Sicht nicht vertretbar. Weltweit entstünden gleichzeitig innovative Alternativen wie Zellkulturen mit menschlichen Zellen, Organoide, Multi-Organ-Chips, computergestützte Modelle und moderne Bildgebungsverfahren, die präziser und für den Menschen relevanter seien.
Die Stadt Augsburg müsse sich nach den Worten der Ärztin Dr. Lautenbacher gegenüber dem Freistaat Bayern für eine Neuausrichtung einsetzen: Förderung tierversuchsfreier Forschung, Investitionen in moderne Methoden, Einrichtung eines Lehrstuhls, Ausstieg aus bestehenden Tierversuchen im Sigmapark sowie Umwidmung geplanter Tierversuchslabore auf dem Uniklinik-Campus. Forschung ohne Tierleid sei ein Gewinn an Qualität, Ethik und Zukunftsfähigkeit.
Licca liber nicht gefährden
Dr. Eberhard Pfeuffer warnte in seiner Rede eindringlich vor dem geplanten Bau eines weiteren Wasserkraftwerks am Lech. Jede neue Staustufe bedeute Rückstau, unterbrochene Fischwanderwege und den Verlust natürlicher Flussdynamik. Besonders gefährdet seien seltene Arten wie der Huchen, der lange, durchgängige Fließstrecken benötigt. Der Zustand der Fischfauna sei ein Gradmesser für die ökologische Qualität des Flusses, betonte Pfeuffer.
Er machte deutlich, dass nicht nur die Fischpopulationen, sondern das gesamte Ökosystem des Lechs betroffen sei. Überschwemmungsflächen, Auenwälder und Feuchtgebiete würden durch zusätzliche Staustufen gestört, die Wasserqualität beeinträchtigt und die natürlichen Lebensräume zahlreicher Pflanzen- und Tierarten geschwächt. Auch das Landschaftsbild und die Erholungsfunktion des Flusses für die Bevölkerung würden leiden.
Pfeuffer forderte, dem Lech mehr Raum für natürliche Entwicklung zu geben und ökologische Prioritäten über kurzfristige Energiegewinne zu stellen. Alternative Lösungen, wie modernisierte, ökologische Kleinkraftwerke oder Flussrenaturierungen, könnten Energiebedarf und Artenschutz besser in Einklang bringen. Der Lech sei weit mehr als ein Energielieferant – er sei Naturerbe, Identität und ein unverzichtbarer Zukunftsraum für die Region.
Er appellierte an die Politik, das Bewusstsein für die langfristigen Folgen technischer Eingriffe zu schärfen und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen ernst zu nehmen. „Wir müssen den Lech schützen, bevor es zu spät ist“, schloss Pfeuffer seine leidenschaftliche Rede.
Bürgerbegehren für den Erhalt des Klinikparks?
Besondere Aufmerksamkeit erregte der frühere Stadtberger Bürgermeister Dr. Ludwig Fink (SPD) mit seinem Plädoyer für den Erhalt des Naturparks in Kriegshaber. Fink begann mit einer poetischen Liebeserklärung an diese Naturoase: ein Ort der Ruhe neben dem Klinikgebäude, an dem gearbeitet, besucht, gelitten und auch gestorben werde. Patientinnen und Patienten, Anwohner, Kinder, Studierende und Klinikpersonal fänden in der nur wenige Schritte entfernten Natur Erholung und Rückzug.
Er hob auch die herausragende parkarchitektonische Qualität hervor: Das Gesamtkonzept der international renommierten Gebrüder Hansjakob würde durch eine Bebauung unwiederbringlich zerstört. Gleichzeitig erfüllt der Park wichtige ökologische Funktionen: Kaltluftentstehung, Luftreinhaltung, Lebensraum für geschützte Arten wie Laubfrosch, Fledermaus und Waldohreule. Fachämter der Stadt sehen Eingriffe als nicht ausgleichbar an.
Dr. Ludwig Fink verwies auf die Initiative des BUND Naturschutz, der Wahlprüfsteine zum Neubau der Uni-Klinik an regionale Parteien gesendet hat. Besonders lobend hob er dabei die V-Partei³ hervor, die sich eindeutig für den Erhalt des Klinikparks und für die alternative Baufläche östlich des Gebäudes ausgesprochen hat.
Mut machend berichtete Dr. Ludwig Fink von einem Bürgerentscheid in Stadtbergen vor zehn Jahren, der 20 Hektar an der B300 vor der Versiegelung bewahrte. Beim Klinikpark sei der Gegner mit dem Freistaat Bayern zwar größer, doch Fink nutzte den biblischen Vergleich: „David gegen Goliath – und wir sind David“. Mit 19 Jahren Erfahrung als Bürgermeister zeigte er, dass er das politische Handwerkzeug nach wie vor beherrscht.
Roland Wegner reagierte damit, dass die V-Partei³ die Idee eines Bürgerbegehrens ernsthaft prüfen werde und er sich nach der Kommunalwahl aktiv für die Organisation einer entsprechenden Bürgerinitiative einsetzen wolle.
Vogelhäuschen statt Blumen
Mit den vier Reden zeichnete der Neujahrsempfang der V-Partei³ ein klares Bild: solide Haushaltsführung, transparente politische Entscheidungsprozesse, ethische Verantwortung in Wissenschaft und Forschung sowie konsequenter Natur- und Artenschutz stehen im Fokus der Partei – mit konkreten Initiativen für Augsburgs Zukunft.
Anders als bei anderen Parteien gab es für die Protagonisten keine abgeschnittenen Blumen als Präsent: Die V-Partei³ überreichte stattdessen Vogelhäuschen und für die Sängerin Ceci gab es ein Insektenhotel – ein symbolisches Zeichen für Nachhaltigkeit, Natur- und Umweltschutz.







